Wenn man über die Serie „Wickie und die starken Männer“ spricht, kommt meist unweigerlich der Einwand, dass Wickie ja ein Mädchen sei. Dabei wird sogar im Intro der Serie klar herausgestellt, dass die Hauptfigur ein Junge ist. Oft kommt die Erklärung, es läge am Aussehen und weil Wickie eben die Probleme anders löse als man es von Jungs gewohnt ist.
Nach der Veröffentlichung des Films „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ wurde der Hauptcharakter kritisiert. Er sei nicht der gewohnt draufgängerische Typ. Die Kritiker fanden nur schwer einen Zugang zu Newt. Tatsache ist aber auch, dass Charaktertypen, wie Scarmander eher der Sidekick sind. Natürlich kann man Newt Scarmander nicht mit dem Jungen Harry Potter vergleichen, aber genau dies haben Kritiker getan. Und dabei übersehen, dass der eine eben ein heranwachsender Junge war und der andere ein erwachsener, charakterlich gefestigter Mann. Allgemein scheint es schwer zu sein diesen Charaktertyp als Hauptfigur anzusehen und auch zu akzeptieten. Charaktertypen, wie Newt Scarmander sind eben eher die leicht nerdigen Freunde der Hauptfigur. Was aber macht den Unterschied aus? Nun, Wickie und Newt lösen Probleme nicht mit roher Gewalt sondern mit Klugheit und Empathie. Gerade Wickie zeigt auch Jungs, dass es in Ordnung ist Angst zu haben und sich auch mal schwach zu fühlen.
Newt wiederum kümmert sich um seine Mitmenschen und Tiere. Es ist wichtig, dass junge Heranwachsende solche Vorbilder haben. Vorbilder, die ihnen zeigen, dass es auch andere Wege gibt um Probleme zu lösen. Denn genau das kommt oft zu kurz. Gerade die Superheldenfilme von Marvel und DC zeigen männliche Vorbilder, die – meist mit einem coolen Spruch auf den Lippen – Notsituationen eher mit Kraft lösen. Zwar werrden sie hin und wieder von ihren Partnern kritisiert aber immer augenzwinkernd. Es ist meist ein: „So sind eben Jungs.“
Bei den Mädchen sieht das meist anders aus. Vor allem in den Animes der 80er und 90er wurden starke Mädchen gezeigt, die alleine ihre Probleme lösen können und keinen starken Mann dafür brauchen. Natürlich gab es da auch den obligatorischen Love-Interest, doch gerade Sailor Moon hat mit dem lesbischen Paar einen Meilenstein gesetzt. Es scheint als ob Marvel und DC diesen Trend fortsetzen. Marvel hat Jessica Jones, die die Dinge selbst in die Hand nimmt. Und DC hat Catwoman und Batwoman. Gerade Mädchen und jungen Frauen werden nun Vorbilder vorgesetzt, die ihnen zeigen, dass Frauen eben keinen Mann brauchen. So wie eben auch Wickie schon früh zeigte, dass es für Jungs auch andere Vorbilder geben kann.
Videotipp zu dem Thema: https://m.youtube.com/watch?v=C4kuR1gyOeQ