We remember

„Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“ – Max Mannheimer

Am 27. Januar 1945 wurde Ausschwitz von der Roten Armee befreit. Seit 1996 ist dieser Tag  eine mahnende Erinnerung und der Tag des Gedenkens. Seit 2005 ist dies international der Fall.

Wenn man an den Holocaust, oder auch Shoah, denkt, dann vor allem an die Juden und Jüdinnen. Und es stimmt ja auch, dass sie die Hauptziele der Shoah waren. Schon recht früh haben Hitler und die anderen NS-Funktionäre durchblicken lassen, was sie wollten. Sie wurden nur nicht ernst genommen, abgesehen davon haben sie die antisemitische Stimmung aufgenommen.  Hitler hat den Antisemitismus nicht erfunden,  er hat ihn „lediglich“ auf eine neue, rassistische Stufe gestellt. Im Mittelalter konnten Juden noch konvertieren um der Verfolgung zu entgehen, dies wurde im 3. Reich nicht mehr akzeptiert.  Ein Jude war ein Jude und blieb es auch. Das Judentum musste vernichtet werden, und dies geschah systematisch.

Jedoch sollte man nicht vergessen, dass jüdische Mitmenschen nicht die einzige Gruppe der Verfolgten waren. Immerhin richtete sich der erste Schlag der Nationalsozialisten gegen die politische Opposition.  Sozialdemokraten,  Kommunisten,  Pazifisten, Liberale und Konservative kamen in Arbeitslager. Man wollte sie mit Druck gefügig und mundtot machen. Schon in den ersten Monaten geschah eine unglaubliche Mord- und Verfolgungswelle, die sich auch schon gegen Juden richtete. Damit mich niemand falsch versteht: Ich möchte die Ermordung und Verfolgung der Juden nicht herunterspielen,  ganz im Gegenteil.  Noch heute zeigen sich die Auswirkungen dieses Verbrechens. Jedoch sollten wir nicht vergessen,  dass es auch andere Opfer gab. Roma und Sintis,  die dem Antiziganismus zum Opfer fielen, Homosexuelle, die verfolgt, unter Druck gesetzt und ermordet wurden, weil sie nicht dem Typ Mensch entsprachen, der den Nazis vorschwebte.  Menschen, die keiner geregelten Arbeit nachgingen, die von den Nazis als unnütz und subversiv betrachtet wurden, bekamen den Stempel „Asoziale“. Evangelische und katholische Priester, die sich gegen das Regime wandten und beispielsweise die T4-Morde anprangerten.  Und last but not least: Menschen mit Behinderungen. Gerade, wenn es um Homosexuelle oder „Asoziale“ geht, tut sich die BRD schwer jenen Menschen zu gedenken.

Es ist gut, dass wir gedenken. Es ist gut, dass wir eine lebendige Erinnerungskultur haben. Jedoch sollte das Gedenken nicht mit den Juden anfangen und mit den politischen und religiösen Gegnern der Nationalsozialisten enden. Zu einer wirklich lebendigen Erinnerungskultur gehört es auch, jenen Opfern zu gedenken, die nicht so prominent oder gesellschaftlich genehm sind. Und wer über „Asoziale“ die Nase rümpft, sollte eins nicht vergessen: Diesen Stempel konnte jeder aufgedrückt bekommen, der sich nicht weltbildkonform verhielt, auch lesbische Frauen.

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