Aktienmärkte für’s Eigenheim?

„Wir sollten die Aktienmärkte nutzen, um langfristig eine bessere Vermögens- und Kapitalbildung in den privaten Haushalten zu schaffen. Dann wird für viele Menschen in Deutschland der Erwerb eines Eigenheims leichter werden.“  Friedrich Merz, CDU

 

Vor zehn Jahren brach die Bankenkrise los. Aktien, die hoch geratet wurden, zeigten ihren Wert. Oder sollte man sagen, sie zeigten, dass sie nichts wert sind?  Vor etwa 22 Jahren wurde die T-Aktie ganz groß beworben, man sagte auch „Volksaktie“ dazu. Und es funktionierte. Menschen, die davor nie etwas mit dem Aktienmarkt zu tun hatten, kauften die Aktie. Mancher träumte vielleicht vom sorgenlosen Ruhestand, andere vom Eigenheim im Grünen. Bis 1995 war die Deutsche Telekom keine Aktiengesellschaft und in staatlicher Hand. Doch 1995 änderte sich das, dennoch schienen viele der Ansicht zu sein, dass ja nichts passieren kann, weil der Staat dahinter stand. Doch die Wahrheit war: Die Aktie stürzte ab und Tausende verloren ihre Ersparnisse, das gleiche Spiel geschah 2008, nur dass man damals gewusst hat, dass der Staat nichts tun würde. Hier wurden Anleger von ihren Bankberatern belogen und betrogen. Kredite, die nichts wert waren, wurden von „unabhängigen“ Ratingagenturen so hoch geratet, dass man das Risiko nicht erkannte bis die Lehman Brother Bank insolvent wurde. Amerika und Europa brachen in Panik aus. Während Amerika die Bank über die Klippe springen ließ, stellte sich die deutsche Regierung vor den Leuten hin und sicherte zu, dass die Ersparnisse sicher seien. Aber was hat das nun mit den Worten Friedrich Merz‘ zu tun?

Nun, seit zehn Jahren kommen Länder wie Griechenland, Italien und andere nicht aus den Schulden raus. Es wird eine soziale Absicherung nach der anderen beschnitten oder ganz abgeschafft, ohne dass Besserung in Sicht ist. Bis heute gibt es keine Konsequenzen um zu verhindern, dass ein Börsencrash so schlimm oder schlimmer wird. Und in dieser Lage rät Friedrich Merz Leuten in Aktien zu investieren.  Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor europaweit – manche Arbeitnehmer leben den Spruch: Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig. Wie sollen sie da in Aktien investieren?

Es ist Aufgabe der Politik und der Gesellschaft diese Probleme zu lösen. Stattdessen lassen wir es zu, dass Armut kriminalisiert und diffamiert wird. Wir lassen es zu, dass Obdachlosen Geld abgeknöpft wird, in Ungarn ist Obdachlosigkeit schon strafbar. Statistiken zeigen, wie schädlich Armut für Kinder ist. Wir sehen zu, wie Zeitungen die Armen gegen die Ärmsten aufhetzt und es scheint uns egal, dass Banken systematisch Steuerbetrug begehen aber regen uns auf, wenn der Flüchtling auf der Straße das vorletzte Smartphone hat.

Wir als Gesellschaft versagen auf ganzer Linie und laufen lieber den Rechtspopulisten hinterher, die zwar auch keine Lösungen anbieten aber wenigstens einen greifbaren Schuldigen ausgemacht haben. In dieser Situation zu fordern, dass die Bürger in Aktienmärkte investieren, ist entweder von vorgestern oder zutiefst populistisch.

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